JUNI - GENUSSBEILAGE

Aktualisiert: Sept 1

«Fünf Köpfe bringen einen guten Salat zustande: Ein Geizhals, der den Essig träufelt, ein Verschwender, der das Öl gibt, ein Weiser, der die Kräuter sammelt, ein Narr, der sie durcheinander rüttelt, ein Künstler, der den Salat serviert.»


(Jean Anthelme Brillat-Savarin, 1755 - 1826, französischer Schriftsteller, Jurist und Gastronom)


Ist das Gedicht noch zeitgemäss? Ich denke nicht, denn seit der industriellen Revolution ist der natürliche Anbau nicht mehr selbstverständlich und somit beginnt die Kunst des guten Salates bereits beim Produzenten.


Der Salat wird von den einen geliebt, von den anderen ignoriert. Er liefert uns seit dem Altertum wichtige Nährstoffe. Schon die alten Ägypter, die Griechen und Römer hatten ihn auf dem Teller. In unseren Breitengraden trägt er massgeblich zur Volksgesundheit bei, indem er vom Frühling bis in den späten Herbst erntefrisch, gewaschen und gerüstet mit feiner Sauce in unseren Mäulern landet. Wie bei vielen Pflanzen, so gilt auch beim Salat das Prinzip «Was langsam wächst, das wird doppelt stark». Im Idealfall wächst ein Salat auf natürlicher Braunerde mit einer mässigen Kompost-Düngung. So wächst er in seinem eigenen, gemächlichen Tempo. Dabei erledigt ein Salat folgende Aufgaben: Ein Wurzelwerk bilden, ein breites Spektrum an Nährstoffen aufnehmen, diese in Vitalstoffe umwandeln und in den Blättern einlagern – all das benötigt Zeit. Daher ist es nicht erstaunlich, dass die äusseren und älteren Blätter tendenziell reichhaltiger sind als das Salatherz.


Die bekanntesten Salatliebhaber sind schleimig und heissen Nacktschnecken. Häuschenschnecken sind hingegen harmlos oder sogar nützlich, indem sie Nacktschnecken-Eier fressen. Es gibt viele Möglichkeiten wie man ihnen im Bioanbau begegnen kann. Mit Schneckenzäunen, Sägemehl, Kaffeesatz, Eierschalen, Schneckenkörner auf Eisenphosphatbasis, parasitierenden Nematoden, Stockenten oder durch Einsammeln. Man kann aber auch Stein- und Asthaufen anlegen, die als Refugien für natürliche Gegenspieler wie Igel, Spitzmäuse oder Laufkäfer dienen.


Benjamin Wiedmer, Fotografie Bio Landwirtschaft, Filmprojekte Bio Landwirtschaft