NOVEMBER - GUTER MAUSBLICK

Hier das unentbehrliche und unabhängige Helferlein, die freundliche Frieda. Sie ist nicht nur anhänglich und verschmust, sondern auch stubenrein und pflegeleicht. Frieda ist eine der glücklichsten Hofkatzen der Welt. Der Bauernhof bietet den perfekten Katzen-Lebensraum. Auf dem Land, an den Waldrändern in Hecken und Bächen sowie im Stall gibt es viel zu entdecken. Es hat echte Bäume zum Klettern.


Alles Kleingetier, das pfeift, zappelt, quietscht – von den Vögeln über die Insekten bis zu den Mäusen oder Nachbars Kater sind höchst spannend. Einiges dient als direkte, liebevoll spielerisch gefangene und genüsslich gefressene Beute, anderes hat Unterhaltungswert oder dient des Auslebens von territorialem Jagdverhalten.


Ist im Bauernhaus auf dem warmen Sitzofen ein weiches, sicheres Nest eingerichtet, wo bei Wind und Wetter zufrieden gedöst und geträumt werden kann, ist der Lebensraum perfekt. Wenn dann noch ein immer gefülltes Schälchen Futter vorhanden ist, und ab und zu gestreichelt wird, so bleiben auch Katzen mausetreu und werden idealerweise 20 Jahre alt. Eine 20 Jahre alte Katze entspricht einer ungefähr 95 Jahre alten Person.


Wenn man ein kleines Kätzchen anschafft, es artgerecht halten und nie wieder in ein Tierheim bringen will, so muss man sich dessen bewusst sein.


Damit eine Katze lange Zeit stark und gesund bleibt, ist die Ernährung absolut entscheidend. Im Reich der Tiere sind Katzen die ausgeprägtesten Fleischfresser. Das geht soweit, dass sie Mäuse komplett, inklusive Pelz und Knochen, fressen, jedoch den Magen separieren, der pflanzliches Material enthält, welches ihnen nicht schmeckt. Es lohnt sich, beim Katzenfutter auf einen möglichst hohen Fleischanteil zu achten und dafür einen kleinen Mehrpreis in Kauf zu nehmen.


Idealerweise hat eine Katze einen natürlichen Lebensraum, wo sie sich bei Bedarf vom Buffet und der Apotheke der Natur bedienen kann.


Frieda ist eine sehr aktive Mauserin. Es gab Zeiten, wo ich sie an einem Tag mit drei grossen, toten Feldmäusen gesichtet habe. Der Bauer lacht, weil er dann die unschöne Mauserarbeit nicht selber erledigen muss. Ohne geht es in den meisten Fällen leider nicht. In der Hofstatt fressen die Feldmäuse die Wurzeln der frisch gepflanzten Apfelbäume, auf der Weide verschmutzen Mausehaufen das Kuhfutter, im Futterlager fressen Hausmäuse die Tierfuttersäcke an, im Keller knabbern sie alles was nicht hermetisch dicht – am besten in Blechdosen – verpackt ist.


Obschon Frieda viele Mäuse verschlingt, steht ihr immer ein Futterautomat mit hochwertigem Trockenfutter (à discrétion) zur Verfügung. Trotz des reichlichen Futterangebots ist sie stets in idealer Verfassung und tendiert auch nicht zur Überfettung.


Wenn das Futter von ausgezeichneter und natürlicher Qualität und der Fleischanteil hoch ist, so haben Katzen auch kein Bedürfnis zur Überkompensation. Dann muss man das Futter nicht rationieren. Fast in jedem natürlichen Lebensraum hat es zeitweise ein massives Futter - Überangebot. Die Katzen können natürlicherweise damit umgehen.


Aus Liebe, Dankbarkeit und einem Versorgerinstinkt bringen sie sogar überschüssige Beute lebendig oder tot mit nach Hause. Katzen lassen sich niemals dressieren. Wenn es unangenehm wird, suchen sie sich einfach einen besseren Platz. Ihnen ist es egal wer der rechtmässige Besitzer ist. Mit Komfort und feiner Speise kann man ihre Freundschaft gewinnen. Alle anderen Bemühungen sind chancenlos.


Für ihre Gesundheit ist es wichtig, dass sie einen ruhigen und weichen Platz zum Schlafen und Träumen haben. Sie brauchen als Lauerjäger sehr viele Ruhepausen. Dies gilt es zu respektieren. Wenn sie ausgeschlafen sind, begegnen sie einen dafür in voller Präsenz. Katzen melden sich, wenn etwas nicht passt. Meine Beobachtung sagt, dass es dort, wo es den Katzen gut geht auch den Menschen gut geht und umgekehrt.



Benjamin Wiedmer, Fotografie Bio Landwirtschaft, Filmprojekte Bio Landwirtschaft